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Neue Anknüpfungspunkte im ZoRA-Netzwerk

Weimarer Forum fand viel positive Resonanz bei Zahnärztinnen

Harald Wanetschka / pixelio.de
Harald Wanetschka / pixelio.de

Auf dem ZoRA-Frauenkongress des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) in Weimar trafen sich zum dritten Mal Zahnärztinnen aus ganz Deutschland. Jede fünfte Teilnehmerin war schon zum wiederholten Mal dabei. Rund 80 Prozent waren neu – das Netzwerk wächst.

 

Herbst 2009: Der erste ZoRA-Kongress in Weimar war gerade vorbei, da bekam Dr. Kerstin Blaschke einen Anruf in ihrer Praxis. „Guten Tag, ich bin Professor Rainer Buchmann“, sagte der Anrufer. „Aha“, sagte Blaschke. „Und wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ – „Ich möchte nächstes Jahr mitmachen beim ZoRA-Forum“, sagte Buchmann. „Ich finde Ihre Idee toll. Ich habe vier Töchter; ich weiß, wovon ich rede.“ Und da Prof. Buchmann nicht nur engagierter Vater, sondern auch anerkannter Parodontologe ist, der seit Langem an der Uni Düsseldorf lehrt und zum Thema publiziert, war er dieses Jahr tatsächlich dabei in Weimar – mit einem Vortrag über „Parodontale Medizin“ und einem „Hands-on“-Workshop.


Zum dritten Mal haben sich im September Zahnärztinnen aus ganz Deutschland auf einem eigenen Kongress getroffen: Was 2008 in Travemünde begann, wird seit 2009 vom Kompetenznetzwerk ZoRA als Weimarer Forum weitergeführt. Die Idee: Auf dem bundesweiten Frauenkongress sollen die Zahnärztinnen die Möglichkeit bekommen, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und den Netzwerkgedanken in ihre Regionen mitzunehmen. Dass der Kongress sich speziell an Frauen richtet, liegt daran, dass diese nach wie vor stärker an der Doppelbelastung von Beruf und Familie zu tragen haben und deshalb ganz eigene Schwierigkeiten bewältigen müssen. Gerade im Westen von Deutschland fühlen sich viele Zahnärztinnen zudem noch immer mit ihren Problemen alleingelassen.


Neu – aber nicht fremd
Nicht so in Weimar. Etwa jede fünfte Teilnehmerin war schon im vergangenen Jahr dabei und traf nun auf vertraute Gesichter. Rund 80 Prozent waren neu – aber nicht fremd. „Alle waren so gelöst und haben offen über ihre Fragen und Probleme gesprochen“, zog eine der „neuen“ Teilnehmerinnen Bilanz. Viel Lob gab es auch für die Fachvorträge. So stellte Privatdozentin Dr. Dr. Corinna Zimmermann aus Lübeck den aktuellen Wissensstand über Bisphosphonate und Konsequenzen für die Zahnarztpraxis vor. Prof. Dr. Roswitha Heinrich-Weltzien von der Uni Jena gab einen Abriss über die wichtigsten Ansätze in der Notfallbehandlung von Kindern.

 

Sozusagen von der Praktikerin zur Praktikerin referierten Dr. Petra Rauch aus Melsungen über die Möglichkeiten der Implantologie zum Zahnerhalt und Dr. Dana Weigel aus Berlin über ästhetische Rekonstruktionen als Teil der Funktionstherapie. Praxisorientiert und gut verständlich – da war es kein Wunder, dass das Plenum den ganzen Samstag über gut gefüllt blieb. Am Sonntag platzte der Saal aus allen Nähten, als die Zahnärztinnen mit ihren Partnern, Töchtern und Söhnen sich vom Rhetoriktrainer Peter Brandt die Zusammenhänge von Körpersprache, Lebensgefühl und Außenwirkung lebensnah auseinanderdröseln ließen. Die betriebswirtschaftlichen Themen waren dagegen diesmal überwiegend in Workshops ausgelagert, um stärker auf individuelle Bedürfnisse eingehen zu können.

 

 

ZoRA-Unterstützer in Weimar: Dr. Andreas Wagner, Präsident ZÄK Thüringen, Marion Walsmann, Finanzministerin Thüringen, Dr. Kerstin Blaschke, stellvertretende Bundesvorsitzende FVDZ, Dr. Brita Petersen, Vorsitzende Frauenausschuss BZÄK, Dr. Karlheinz Sundm

Breites Netz an Unterstützern
Bei aller Frauen-Power sind Männer auf dem ZoRA-Forum aber durchaus willkommen – nicht nur als Redner, sondern auch als Teilnehmer. „Vier junge Männer fanden das Angebot so interessant, dass sie in die Workshops gekommen sind“, berichtet Dr. Kerstin Blaschke, stellvertretende Bundesvorsitzende des FVDZ. „Eigentlich sind wir schon lange nicht mehr unter uns“, sagte Blaschke. „Wir bekommen immer mehr Unterstützung.“

 

Das zeigte sich schon bei den Grußworten zum Auftakt des Kongresses. Die Finanzministerin von Thüringen, Marion Walsmann, war angereist, um den Zahnärztinnen „symbolisch den Rücken zu stärken“, wie sie sagte. „Frauen haben es an vielen Stellen immer noch schwerer als Männer.“ Umso wichtiger sei es, auch beim Netzwerken deren Vorsprung einzuholen und sich über einen fachlichen und persönlichen Austausch mehr Kompetenz zu organisieren. Und umso mehr begrüße sie die Idee des Kompetenznetzwerks, das mit dem Weimarer Forum auf den Weg gebracht worden sei.


Der Kammerpräsident der Landeszahnärztekammer Thüringen, Dr. Andreas Wagner, stellte eine aktuelle Umfrage aus Bayern vor, nach der 93 Prozent der befragten Zahnärztinnen die Doppelbelastung von Beruf und Familie als „groß“  oder „sehr groß“ empfinden. Der Grad der Selbstausbeutung sei enorm, zitierte Wagner eine der Frauen. Sein Rat sei deshalb: „Machen Sie mit! Bringen Sie sich ein in die Berufspolitik; nur so können Sie etwas ändern.“


Dr. Karlheinz Sundmacher, Bundesvorsitzender des FVDZ, hatte auch gleich einen Vorschlag: In den Zahnärztekammern und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung seien die Frauen völlig unterrepräsentiert. „Da bestehen Karrierechancen en masse, kandidieren Sie für die Posten – meine Unterstützung hätten Sie!“, versprach Dr. Sundmacher. „Sie dürfen nicht darauf warten, dass die Männer Ihnen etwas bieten, das Ihnen das Leben erleichtert. Sie müssen Unterstützung einfordern, dann bekommen Sie sie auch.“


FVDZ: Nun kommen die Frauen zum Zug
Auch im FVDZ ist der Frauenanteil in den Vertreterversammlungen bisher gering: In der Hauptvertreterversammlung beträgt er knapp zehn Prozent, in den Vorständen auf Landesebene immerhin fast 20 Prozent. „Da hat sich in den letzten beiden Jahren einiges getan“, sagt Dr. Kerstin Blaschke. Und der nächste Schub kommt bestimmt, wie die Zahlen zeigen, die die stellvertretende Bundesvorsitzende in Weimar vorstellte: Im dritten Quartal 2010 waren 39 Prozent der Selbstständigen, die dem FVDZ beitraten, Frauen – das entspricht ziemlich genau dem Frauenanteil unter den Zahnärztinnen in Deutschland. Und auch nach Altersklassen aufgeschlüsselt zeigt sich eine klare Tendenz: Bei den 30- bis 39-jährigen Mitgliedern des FVDZ sind über 30 Prozent Frauen. Bei den 20- bis 29-Jährigen schon fast 60 Prozent.


Allerdings sei es zu viel verlangt, gerade von diesen jungen Frauen einen Einstieg in die Berufs- und Standespolitik zu fordern, wie übrigens von allen jungen Kollegen, betonte Blaschke. „Man kann nicht alles auf einmal machen.“ Zu Beginn stünden nun einmal Berufseinstieg, Praxisgründung und Familie im Vordergrund. Erst in einer späteren Lebensphase sei dann aus zeitlichen Gründen auch ein Ehrenamt möglich. Dennoch bräuchten die Frauen, die sich derzeit in den Vertretungen engagieren, unbedingt auch Nachrückerinnen. „Sonst fallen wir jedes Mal in ein Loch, wenn eine Frau wieder aussteigt aus den Gremien.“ Eine wichtige Aufgabe also für ZoRA und die Frauen vom Weimar-Forum: In Zukunft wird die Vernetzung sicherlich nicht allein Praxis und Privatem dienen, sondern zunehmend auch dem politischen Engagement.

 

Marion Meyer-Radtke, freie Journalistin